Berufsnati-Trainer Martin Erlacher jubelt über 15 Medaillen

Die Zielsetzung war zwar hochgesteckt, wurde aber bravourös erreicht: Die Schweizer Equipe ist an den WorldSkills wieder die beste europäische Nation. Mit siebenmal Gold, sieben Silbermedaillen und einmal Bronze ist die Schweiz «Top 3 of World». An der Berufsweltmeisterschaft in Lyon fungierte GBS-Fachbereichsleiter Martin Erlacher als technischer Delegierter bei SwissSkills. Der «Berufsnati-Trainer» ist stolz auf die Leistung der 45 Teilnehmenden aus der Schweiz.
Martin, was beeindruckt dich an der Leistung des SwissSkills National Team am meisten?
Martin Erlacher, Technical Delegate SwissSkills und Lehrperson am GBS St.Gallen: Sie haben abgeliefert. Trotz unglaublichem Schweizer Publikum und tausenden ausländischen Zuschauern in den Eurexpo-Hallen war unser SwissSkills National Team fokussiert. Im Vorfeld hatten wir ein wenig Angst davor, dass die Ablenkung zu gross sein könnte. Aber unsere Champions waren hoch konzentriert und konnten oft das abliefern, was sie sich vorgenommen haben.
Was macht an solchen Berufswettkämpfen den Unterschied?
Die entscheidenden letzten zehn Prozent der Leistung beruhen ausschliesslich auf mentaler Stärke. Die Teilnehmenden haben hart für ihren Wettkampf in Lyon trainiert. Nicht weniger als 1000 Stunden spezifische Vorbereitung bedeutete das in den letzten Monaten für jedes Berufstalent. Zudem fokussierten wir uns auf Mental- und Medientraining sowie Teambildung. Dieser Aufwand ist notwendig, denn die Konkurrenz ist sehr stark. In den Disziplinen, in denen wir früher zu den Top-Favoriten/-innen gehörten, holen andere Länder auf. Das Level ist in den letzten 20 Jahren gestiegen.
Was sagst du jeweils deinen Lernenden im Unterricht am GBS St.Gallen? Was braucht es, um in der Gastrobranche erfolgreich zu sein?
Es braucht den Willen, in jedem Bereich die Extrameile gehen zu wollen. Mehr zu sehen als die anderen, voraus zudenken, den Gästen bei jedem Wunsch zuvorzukommen und sie schlussendlich zu begeistern. Damit man über sich hinauswachsen kann, ob im Wettkampf oder im Berufsalltag, muss man an sich glauben, an sich arbeiten und dies immer mit entsprechender Demut.
Was nimmst du von den WorldSkills in Lyon persönlich mit?
Lyon war ein gut vorbereiteter Gastgeber. Das hat einen sauberen Ablauf ermöglicht. Für mich sind es die Begegnungen, der Austausch mit den Teilnehmenden aus den anderen Ländern. Die Faszination für denselben Beruf verbindet. Du bist nicht Schweizer, Franzose oder aus Äthiopien, sondern Maurer. Ich finde es unglaublich spannend, die vielen verschiedenen Kulturen zu erleben. Wir haben oft nur die Innensicht und kennen andere Überlegungen sowie Techniken zu wenig oder gar nicht
Was gefällt dir an deiner Tätigkeit als technischer Delegierter bei SwissSkills?
Als Technical Delegate hat man Einblick in alle Berufe, auch solche die einem fremd sind. Man lernt wahnsinnig viel dazu und kommt natürlich mit vielen unterschiedlichen Menschen zusammen. Am meisten motiviert mich, dass ich als Teamverantwortlicher des Nationalteams die Inhalte und Ausbildungen der Wettkämpfer/-innen und Experten/-innen gestalten kann.
Wie sieht deine Arbeit bei SwissSkills konkret aus?
Grundsätzlich vertrete ich als technischer Delegierter die Schweiz im internationalen Wettbewerbskomitee. Dort werden die Reglemente und wettkampftechnische Fragen behandelt und die Anliegen der Experten vertreten. In einem Streitfall oder bei Problemen achten wir technischen Delegierte in den Wettbewerben darauf, dass alle Regeln eingehalten werden. In den Vorbereitungen steuere ich mit meinem Team die Inhalte der Vorbereitungsanlässe und halte Kontakt zu den Verbänden. Ich betreue und berate wo nötig auch die Experten/-innen, damit die Vorbereitungen und Trainings von Wettkämpfern/-innen optimal verlaufen. Ich mache Trainingsbesuche, führe Expertenschulungen durch, vertrete als Geschäftsleitungsmitglied die Anliegen des Nationalteams im Stiftungsrat und bin für die Mitarbeitenden bei SwissSkills in der Abteilung National Team verantwortlich.
Warum schlägt dein Herz für Berufswettkämpfe?
Wahrscheinlich deshalb, weil ich alle Facetten der Wettbewerbe selbst durchlaufen bin. Ich habe als Lernender schon an Wettbewerben teilgenommen und habe dann die Schweizermeisterschaften, heute SwissSkills, gewonnen. Ich durfte die Schweiz an den WorldSkills in Montreal vertreten. 2003 durfte ich als Organisator an den WorldSkills St.Gallen mitarbeiten und wahr für meinen Beruf verantwortlich. Als ich 2010 Experte und später auch internationaler Chef Experte wurde, habe ich als einer der wenigen alle Bereiche abgedeckt. Das ermöglicht mir ein enorm breites Verständnis.
Was war dein grösster Erfolg als Experte?
Ich durfte fünf ausserordentliche Persönlichkeiten auf dem Weg zur WM begleiten, coachen und fachlich mitprägen. Die Resultate: Viermal Weltmeister und zweimal Schweizer Meister. Das war nur dank harter Arbeit der Wettkämpfer/-innen, der Unterstützung von Arbeitgebern und Organisationen der Arbeitswelt möglich. Ich habe die Arbeit, die vielen Stunden enorm geschätzt. Es war ein Zusammenarbeiten auf höchstem Niveau, immer auf Augenhöhe und mit enorm gewinnbringendem Austausch. Meine Schützlinge haben sicher viel von mir und meinen Erfahrungen gelernt, aber auch ich habe enorm von ihnen profitiert.
